Allein am Jakobsweg

Die Packliste:

Es wird ernst, ich packe meinen Rucksack und wiege jedes Stück penibel ab. Unter 10 kg, lese ich im Reiseführer, muss der Rucksack wiegen. Meine Kleidung kommt auf gerade einmal 2200g.
Mein neuer Rucksack wiegt 1700g, der Schlafsack 1200g, die Regenausrüstung 900g. Meine Wandersandalen 500g und das Erste Hilfe-Zeug satte 600g. Obwohl mit Miniartikeln ausgestattet, komme ich bei den Toilettartikel noch immer auf 400g. Und die weiteren Utensilien (Tachenmesser, -lampe, Brillen) machen 550g aus. Schwer wiegt die Technik, also Fotoapparat, Handy und Tablet samt Ladegeräten: 1200g

Ankunft in Sevilla. Sightseeing ist angesagt. Hier steht die größte gotische Kirche in Europa und weltweit die 3größte. Darin sind ein paar Gebeine von Christoph Columbus aufgebahrt. Auf den Bäumen in der Stadt wachsen Orangen und Zitronen. Eine total nette Stadt. … So, und morgen gehts in der Früh los. Bin total froh, dass mich eine Freundin die 1. Woche begleitet 😅

1.Tag am Jakobsweg “Via de la Plata”, 1. März: Sevilla – Guillena, 22 km. Die Strecke ist eher fad aber ok. Die Herberge wird gerade neu eröffnet – ÜN € 10,–, absolut perfekt. Nur – die Häuser sind kalt wie Kühlschränke. Vielen Dank , Angelika für deinen Tipp, unbedingt einen guten Schlafsack mitzunehmen. Die Investition hat sich absolut gelohnt. Untertags ist es sehr heiß – wir vermuten bis zu 25 Grad.

2.Tag: Guillena – Castilblanco de los Arrayas, ca 18 km. Um ca 9:00 gestartet, ca 15:00 inkl Pausen angekommen. Heute war es eine total schöne Strecke. Auch die ersten Pilger*innen getroffen – heute werden wir zum 1. Mal in einem Schlafsaal übernachten – in der Nähe ist zwar ein Hotel, aber die Erfahrung geben wir uns heute . Morgen wird es anstrengend – über 30 km – aber noch sind unsere Füße heil – der Rucksack wird aber immer schwerer.

3.Tag: Castilblanco -Almaden,ca 31 km. Am Anfang recht langweilig einer Landstraße entlang – die zweite Etappe führt jedoch durch einen wunderschönen Nationalpark. Hier wachsen Korkeichen. Die Rinde wird für die Korkgewinnung abgeschält und die Eicheln fressen die Schweine, die dadurch eine schwarze Farbe annehmen. Die Spezialität hier, Schinken! Wir sind recht wenige am Weg, nur ca 4 Pilger*innen und in der Unterkunft waren wir ganz alleine. Ganz anders als am Hauptweg im Norden – da sind anscheinend Massen unterwegs und die Schlafsäle mit bis zu 80 Personen rammelvoll.

4. Tag: Almaden – El Real de la Jara, ca 14 km. Heute ist die Strecke wieder gemütlich und die Gegend wird immer schöner. Jetzt kennen wir schon ein paar Pilger – denn in jedem Dorf begegnet man immer den gleichen. Trotzdem ist es noch sehr einsam. Heute ist uns zum ersten Mal eine organisierte Gruppe untergekommen. Die Wege sind genial ausgeschildert. Und sollte man einmal ein paar Meter falsch gehen, stauben einem die Spanier gleich wieder auf den richtigen Weg. Es ist voll nett, pilgern fühlt sich heute unglaublich schön an.

Der Pilgerausweis füllt sich. In jeder Station (Unterkunft) gibt es einen Stempel. Sie sind recht fantasievoll. Wir haben mittlerweile erfahren, dass die Spanier/innen bevor sie 18 werden, den Camino (Pilgerweg) gehen sollten. Sie werden deshalb mit Bussen ca 100 km vor Santiago ausgelassen und marschieren dann im Konvoi in riesigen Gruppen zum Ziel. Es verbessert die Chancen am Arbeitsmarkt, wenn man den Pilgerausweis herzeigen kann. Da bin ich aber gespannt :)).

5.Tag: Monasterio, ca 22km. Die Hälfte der Strecke war landschaftlich wieder ein Traum, die 2.Hälfte war nicht so schön aber ok. Heute war es zum ersten Mal auch untertags saukalt – die Kleidung hat sich bisher bewährt.

6. Tag: Monasterio – Fuente de cantos, ca 22 km. Schluchz, jetzt bin ich allein unterwegs. Meine liebe Freundin hatte nur eine Woche Zeit mich zu begleiten und ist gestern abgereist. Ich merke sofort den riesigen Unterschied. Vorher verging die Zeit auch bei langweiligen und hässlichen Landstraßen schnell – es gab so viel zu ratschen – und jetzt? Allein ist es zach, vor allem wenn die Füße schon ziemlich weh tun. Aber 2/3 des Weges waren sehr schön und vielleicht sollte ich meinen Beinen einmal einen Rasttag gönnen – mal schauen, wie fit sie morgen sind. Die Unterkunft ist total schön. Ein Belgier, dem wir nun schon in jedem Dorf begegnet sind, und ich sind zur Zeit die einzigen Pilger am Weg – bzw seh ich ihn erst immer am Ziel, weil er die Strecke im Eilschritt durchrennt. Es ist sein 2. Pilgerweg, vor ein paar Jahren ging er von Belgien nach Santiago. Ein Pilgerprofi also.

7.Tag: Fuente de Cantos – Zafra: ca 25 km. 1. Regentag – bzw die 1. Std Regen. Meine Kleidung hält, sie ist dicht – hurra! Der rennende belgische Pilgerprofi wollte mich zuerst nur 1 Std begleiten – wahrscheinlich weil ich am Abend so gejammert hab (sagte, ich fahr vielleicht mit Bus weiter und dass ich schon genug hätte 😉 aber dann marschierten wir den ganzen Tag zusammen – ich ging ein bisschen schneller als sonst und er vermutlich langsamer. Reden war aber trotzdem kaum möglich, weil nach der 1. Stunde der Wind so heftig wurde, dass man kein Wort verstand. Heute war das Gehen trotzdem wieder einfacher. Irgendwie bin ich ja doch ein soziales Wesen gg*.

8.Tag: Zafra – Villafranca de los Barros, ca 20 km. Heute war wieder ein traumhafter Tag – und – ganz ungewöhnlich – es waren einige Pilger unterwegs. Meine Füße haben sich wieder erholt und ich kann nun schon das Tempo des Belgiers mithalten. Deshalb waren wir schon um 1 Uhr am Ziel.

9. Tag: Villafranca – Torremegia, 27 km. Heute war die gesamte Strecke extrem öd. 6 Stunden flotte Gehzeit durch die Einöde. Ich hatte Gott-sei-Dank wieder genug Jause dabei, denn das Dorf am Weg auf halber Strecke gab es nicht. Ich hab nach 4 Std eine längere Pause eingeschlagen, der Belgier konnte nicht bremsen und ist weitergelaufen. Aber so 2 – 3 Stunden allein gehen empfinde ich jetzt als angenehm, den ganzen Tag allein hätte ich wohl noch nicht durchgestanden. Am Abend haben wir in der Kneipe zwei weitere Pilger getroffen, der eine davon, ein älterer Italiener hat gemeint, er würde abbrechen und mit dem Bus nach Merida weiterfahren. So eine deprimierende Landschaft wolle er sich nicht antun. Der “Via de la Plata”-Weg ist – so scheints – nur etwas für Hartgesottene. Ich bin noch nicht hartgesotten, aber weil ich jetzt einen Coach aus Belgien habe, der mich anfeuert und meint, dass ich durchhalten müsse, weil das das Wesens des Pilgerns sei, halte ich noch durch und gehe weiter. Er muss sich dafür halt gefallen lassen, dass ich ihn den ganzen Weg lang zutexte.

10. Tag: Torremedia – Merida, 16 km. Die Strecke war nicht recht abwechslungsreich aber kurz. Dank meines Pilgercoaches und -profis sind wir schon um 11:00 in Merida angekommen und ich hab bisher – für mich unglaubliche – 220 km geschafft! Ohne ihn hätte ich sicher schon aufgegeben und wäre die schiachen Teilstrecken mit dem Taxi oder Bus gefahren. Ich komme schön langsam drauf, dass diese Verkehrsmittel bei manchen Pilgern durchaus üblich sind, was sie natürlich nie zugeben würden. Mein Pilgercoach erzählt mir, dass am sogenannten Hauptweg, dem Camino Frances Einheimische – wenn sie nach dem Weg gefragt werden mit: “Want Taxi? antworten würden. Viele Pilger würden dann ca. 100 m vor der Herberge aussteigen, damit sie die letzten Meter zu Fuß gehen könnten. Ich bin mittlerweile schon ein bisschen hartgesotten und empfinde nur Verachtung für dieses unwürdige Verhalten, pah!

11. Tag: Merida – Aljucen, ca 17 km. Die Strecke war heute total schön, der Stausee am Weg stammt noch von den Römern und zählt wie Merida zum Weltkulturerbe. Leider hatten alle Bars geschlossen aber wie immer hatte ich eine Jause eingepackt. Um ca 1 Uhr sind wir dann an meinem Ziel angelangt. Hier gibt es nämlich ein römisches Bad, das wollte ich mir nicht entgegen lassen. Für meinen Pilgercoach war die Strecke zu kurz, er wollte schneller als ich in Santiago ankommen. Ich fühle mich mittlerweile aber auch schon ein bisschen als Profi und glaube, dass ich ab jetzt allein zurecht kommen werde. Auch bei hässlichen Landschaften. Abschiedsbier, bussi und weg war er im Staub der Straße verschwunden. Zum 2. Mal bin ich auf dieser Strecke wieder allein, huhu, soo Mutterseelenallein. Was hab ich mir dabei nur gedacht!

RÖMISCHES BAD: ich glaubs nicht – mitten in der Pampas, in einem 200-Einwohnerdorf gibt ein geniales römisches Bad mit herrlichen Düften und Entspannungsmusik!!! Das hab ich mir nicht entgehen lassen. Und sogar eine Fußmasage gab es – die hab ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen – ich hab mich gefühlt wie Gott in Frankreich. Als ich zurück in die Herberge kam – die übrigends super nett ist – war das Haus plötzlich voll. Ich schlaf also heute im Schlafsaal mit weiteren 6 Männern. Spanier, Belgier, Franzosen, 2Bayern – alles dabei. Bin mit den 2 Bayern essen gegangen, war total lustig. Das sind aber schon wieder solche Läufer, die machen zwischen 30 – 40 km am Tag. Die stressen durch die Landschaft, unglaublich .
Die VIA DE LA PLATA, die SILBERSTRASSE: Was für mich dieses Mal neu war: Die Herberge in Aljucen war zur Hälfte belegt. Bisher teilte ich nur mit meiner Freundin oder dem Belgier das Zimmer mit vielleicht maximal einer zusätzlichen Person. Puh, war das heute ein Geschnarche, Gott sei Dank blieb die Tür offen. Also ich check das noch nicht so richtig. Alle Leute, die ich bis jetzt getroffen habe, sind schon mehrere Pilgerwege gegangen. Der Bayer von gestern schon 7! Warum tut man sich so was an? Sie sagen alle, man wird ein bisschen süchtig nach diesem Spirit. Dabei sind das durchwegs Leute in eher gut bezahlten Berufen. Gestern hab ich erfahren, dass der Bayer mit dem Kulturminister von Kanada einige Tage am Weg war. Dabei sollen am klassischen Weg bis zu 80 Leute in einem Schlafsaal sein. Also ich checks noch nicht so richtig. Ja, ok, einmal die Erfahrung aber doch kein 2. Mal. Übrigends ich weiß jetzt, warum mein Weg “de la Plata” heißt: das ist die Silberstraße, hier wurde Silber transportiert und sie folgt teilweise der alten Römerstraße. Der Name könnte aber aktuell nicht treffender sein. Denn es sind fast nur ‘Silberhaarige’ 😉 unterwegs. Alle ab 45 aufwärts. Ich bin hier fast der Jungspund und fühle mich fast schon als Kücken. Das Alter der Pilger reicht bis fast 80 Jahre.

12.Tag: Aljucen – Alcuescar, ca. 20 km.

Heute war ich den ganzen Tag alleine unterwegs. Am Weg hab ich drei Pilger überholt – das Gefühl ist neu für mich, normalerweise werde ich überholt – wobei ich der fairnesshalber dazusagen muss, dass einer auf halber Strecke schon so erschöpft aussah, als würde er gleich zusammenbrechen. Einzelne Pilger kriegen sicher mehr als 100 kg auf die Waage und ich wundere mich, wie sie das schaffen. Aber irgendwie kommen sie dann doch an. Ich muss gestehen, dass ich nach 20 oder 25 km noch immer müde bin. Mir geht es zwar super gut, aber die Strecken ziehen sich manchmal schon ziemlich. Ich merke, dass ich mich schön langsam vom Tempo anstecken lasse und auch immer schneller werde. Komisch, ich habe doch keine Eile!

13. Tag: Alcuescar – Aldea del Cano – Valdesor, ca 26 km.

In der Früh alleine losgestartet (im Kloster war ab 10:00 strenge Nachtruhe und um 8:00 musst du draußen sein). Nach ca 1 1/2 h bin ich auf jene 64jährige Schweizerin gestoßen, der mir schon in der ersten Woche kurz immer wieder begegnet ist. Sie nimmt bei den landschaftlich nicht so schönen Strecken immer wieder den Bus und hat auch schon abenteuerliche Caminos hinter sich (auf der Strecke von Valencia hat sie erzählt, sei ihr über 600 km kein einziger Pilger untergekommen). Jedenfalls sind wir den Rest des Tages gemeinsam gegangen und so wurde die heutige Strecke sehr kurzweilig. Valdesor ist nicht recht schön, die Herberge steht am Dorfrand und den Schlüssel muss man sich in der Bar holen. Mit uns waren dann noch zwei alte Spanier in der Herberge – aber – non comprendre

14.Tag: Valdesor – Caceres, ca 12,5 km.

In der Früh um 3/4 8 gestartet, da liegt meistens noch der Reif auf den Feldern. Die Schweizerin ist mit dem Bus gefahren, und die Strecke war wirklich nicht schön – zwischen Schnellstraße und Autobahn. Dafür kurz. Hab heute den ganzen Tag mit dem Organisieren der weiteren Tage verbracht. Ich wollte eigentlich in den nächsten Tagen noch bis zum Tajo-Stausee (30 km) aber der Belgier hat mir geschrieben, dass die Herberge dort geschlossen hatte. Und die Schweizerin hat mir gesagt, dass ich für die Karwoche unbedingt alles vorbuchen müsste, denn da sei Ausnahmezustand in Spanien. Alles belegt, alles zu, selbst Lebensmittel würde es dann nicht überall geben. Ich brech deshalb morgen den ersten Teil der Wanderung ab, um via Salamanca und Madrid nach Barcelona zu fahren. Dort mache ich für eine Woche Urlaub vom Pilgern und treffe meine Teenagerkinder. Bin nun schon 287 km gewandert und hochmotiviert. Mach morgen noch Sightseeing in Caceres, einer wunderschönen Stadt.

Jakobsweg Woche 3
ESSEN IN DER EXTREMATURA: das Essen ist sehr gut. Überall gibt es den herrlichen Schinken von den frei lebenden schwarzen Schweinen. (ich würd so gern einen mitnehmen, aber das wird dann doch zu schwer;)) In den Städten ist das Essen vielfältig, am Land gibt es -zumindest am Camino – die Pilgermenüs. D.h., Fleisch (meist Schwein oder Rind) dazu immer Pommes. Vorspeise ist Suppe oder Salata mixta. Mit Gemüse sind sie sehr sparsam. Vermutlich exportieren die armen Spanier das ganze Gemüse zu uns, sodass sie selbst keins mehr haben 😋. Zum Bier gibt es fast immer eine Kleinigkeit als Zugabe, Z.B. Eine kleine Schale mit Oliven, die sind hier köstlich. Der Hauswein ist auch immer gut ;). Trotz dieses üppigen Pilgermenüs nehme ich kontinuierlich ab. Aber so geht es den meisten.
CACERES: Sightseeing am Vormittag, danach mit dem Bus nach Salamanca. Caceres ist einfach wunderschön und ich hatte eine Pension mitten im Zentrum. Um ca 17:00 in Salamaca eingetroffen. Diese Stadt ist auch einfach unglaublich. Und mitten im Zentrum ist die Pilgerherberge.

Este SALAMANCA, me mucho gusta!

15. Gehtag: Ich bin vom Urlaub vom Pilgerurlaub in Barcelona wieder zurück und starte nun erneut in Salamanca. Aber wandern kann man es nicht nennen – der Tag war heute so wie das Schild. Mehr als bescheiden.

Eigentlich wollte ich es heute gemütlich angehen. Gutes Croissant-frühstück, starte erst um 10:30 Uhr, kein Problem bei meiner geplanten Strecke von 16 km. Die Strecke: triste, die Dörfer: triste, die Bars und Lebensmittelläden: geschlossen. In “meinem” Übernachtungsdorf war die Herberge zu, aber man sollte sich den Schlüssel holen und bei der angegebenen Nummer anrufen. Mein Akku: leer. Und dann erinnerte ich mich an die Worte meine Pilgerfreundin der 1. Woche: “Alleine übernachtest du auf keinen Fall in so einem Haus, versprich mir das!”. Hm – sollte ich jetzt um 14:00 noch 20 km zum nächsten Dorf gehen. Essensvorräte: 4 Müsliriegel, 2 Mandarinen. Sonst hab ich immer was mit, aber heute nicht. Wasservorräte: fast voll. Hm, mit dem kleinen externen Akku kann ich zumindest um Hilfe anrufen, wenn es finster wird. Ich entschließe mich weiterzugehen.
Ihr denkt, der erste Teil des Tages war hässlich genug? Falsch, es kam noch besser! Also heute war die Landschaft so schiach wie noch nie. 5 1/2 Stunden entlang der Autobahn. Ich hab fast den ganzen Weg geflucht und ich muss gestehen auch ab und zu das schlimme Sch’-Wort benutzt. Morgen solls nicht besser werden. Also die Strecke zwischen Salamanca und Zamora ist echt am Sand. Das fanden die Planer vermutlich lustig, die PilgerInnen einmal richtig leiden zu lassen, nachdem sie es sich nun eh in der schönen Stadt Salamanca gut gehen haben lassen. Als Strafe quasi.
Hab ich tatsächlich einmal geschrieben, wenn das Pilgern so gut weitergeht, kann ich wahrscheinlich am Ende des Weges übers Wasser gehen? Ich nehm alles zurück. Zurück, zurück ! Falls ich je dort ankommen werde, kriech ich auf allen 4en. Der Rucksack ist schwer wie eh und je, die Füße tun weh, die Landschaft ist öd und das Wetter schiach. Ich hab Blasen auf den Fußsohlen – ich wusste bisher nicht, dass man da Blasen kriegen kann. 70 km in 2 Tagen is too much for me! Und noch was nehm ich mit: Wenn man Urlaub vom Pilgerurlaub macht, ist die Motivation im Keller. Mich freuts nimma

16.Gehtag: ‘El Cubo de la Tierra del Vino’ nach Zamora, ca 32 km. Wie an den beiden Tagen zuvor bin ich keiner Menschenseele begegnet. Doch – einem Mann unbekannter Nationalität – in der Bar. Doch der wollte auch nicht mit mir reden. War ein komischer Kauz. Am Abend in einer Herberge in Zamora: Schlafsaal mit 6 weiteren Männern geteilt. War wieder das einzige weibliche Wesen. Frauen sind überhaupt auf diesem Weg eher selten anzutreffen. Bin wieder mit dem Engländer und einem Holländer essen gegangen. Wir jammern so vor sich hin, aber das ist auch ein bisschen Abwechslung.

Allein am Jakobsweg

17. Gehtag: Zamora nach Montamarta, ca 19 km. Heute eine kürzere Etappe eingeschlagen, ich muss mich ein bisschen erholen. Hab in der Früh in einem Cafe einen Deutschen getroffen, der mir den Tipp gegeben hat, dass am Weg ein Sportgeschäft sei. Hab mir neue Schuhe gekauft, denn meine – zugegeben 10 Jahre alten Schuhe – sind im Begriff sich aufzulösen. Hatte gehofft, sie halten durch, aber es wird ihnen, scheints, doch zu viel. Mittlerweile rede ich schon mit meiner Kleidung. Hab ihnen noch gut zugeredet (den Schuhen) aber sie scheinen nicht mehr sehr motiviert zu sein. Boa, die Gegend hier ist so deprimierend Und langweilig. Hoffentlich wirds bald besser. Heute übernachte ich wieder in einem Privatzimmer. Mit mir sind da noch 2 Italiener und der Engländer, mit dem ich essen gegangen bin. Er hat auch schwer mit dem Weg zu kämpfen und schimpft vor sich dahin.

Allein am Jakobsweg
Allein am Jakobsweg

18. Gehtag: Von Montamarta nach Granja de Moreruela, ca 23 km. Hab in einer Pension übernachtet, in den beiden anderen Zimmern waren auch Pilger, ein Italiener aus Sizilien und der Engländer. Sind zusammen essen gegangen und am nächsten Tag bin ich mit dem Engländer marschiert. Heute war es wesentlich netter, sowohl das Wetter als auch teilweise die Landschaft und auch der Engländer war gut aufgelegt. Sind schon um 2 Uhr am Ziel angelangt. Hier gibt es wieder nur 1 Herberge und sie hat sich im Laufe des Nachmittags gefüllt. Werde also heute den Raum teilen mit 2 Italienern, 1 Engländer, 1 lustigen Schotten ( hat gefragt, wenn er seinen Schottenrock anzieht, ob der das Bad für Fraue teilen darf ;), 1 Holländer, 1 Spanier und 1 Däne. Aber morgen werd ich wieder alleine am Weg sein, denn hier teilt sich die Strecke. Alle anderen gehen nach links ;), entlang der portugiesischen Grenze nach Santiago – ich gehe nordwärts Richtung Camino Frances. Ich möchte mir ansehen, wie es dort zugeht. Also in 2 Tagen müsste ich dann in Astorga und am “Hauptweg” sein. Jetzt sind wir alle in einer Bar und der Abend wird endlich wieder einmal lustig. Es fühlt sich fast an wie auf einem EU-Gipfel, wir diskutieren beinahe alle aktuellen EU-Themen durch, jede/r aus der Sicht seines Landes und der Engländer wird von allen ganz schön in die Zange genommen. “Ihr, mit euren ständigen Extrawürsten”, so der Tenor – lustig so eine EU-Runde in der Pampas.

19. Gehtag: Granja de Moreruela bis Benavente, ca 33 km. Wieder ein sehr anstrengender Tag. Zuerst ging es über schlammigen Untergrund dahin. Man schwimmt da ein bisschen und an den Schuhen klebt die Letten. Dann war die Landschaft wieder super abwechslungsreich, flach, flach, flach. Die Dörfer sind hier verlassen. Nicht nur, dass man am Weg niemanden begegnet, auch die Dörfer sind leer. Vielleicht einmal,ein altes Weiblein oder Männlein, das den Weg kreuzt. Zur Hälfte ungefähr hat mich der ältere Holländer eingeholt und wir sind den Rest des Tages zusammen gegangen. Damit wurde es kurzweiliger. In der Ferne hab ich die Berge gesehen, endlich !!!

Allein am Jakobsweg

20. Gehtag: Benavente nach Alija del Infantado, ca 22 km. Zuerst wieder an Landstraßen entlang, dann wurde es endlich wieder schöner. Netter Rastplatz am Fluß. Bin ein Stück mit dem Holländer gegangen, später ist er vorgegangen und dann hab ich ihn sozusagen verloren. Ich glaub, wir beiden sind zur Zeit die einzigen Pilger auf diesem Weg.

Allein am Jakobsweg
Allein am Jakobsweg
Jetzt hab ich einen Trick: ich stell mir vor, das Gras am Straßenrand sind Almwiesen 😜. Weitere Überlebensstrategien sind: mit den Stöcken Takte schlagen und Musik ausdenken, den Kinderreim – ein Hut, ein Stock ….. gefühlte tausend Mal aufsagen und mein Kind: dein “Segenlied” von der Aufnahmeprüfung in verschiedenen Interpretationen singen (von Placido Domingo über Maria Callas und Kirchenchor sind die Möglichkeiten fast unbegrenzt 😁). Viele Pilger sagen mir, dass sie über ihr Leben und alle damit verbundenen Themen nachdenken. Aber ich hab das Problem, dass ich auf meinen vorangegangenen Reisen schon alles durchgekaut habe. Ich bin sozusagen themenlos am Weg 😩. Vielleicht sollte man den Weg das nächste Mal erst antreten, wenn man so was wie eine Krise hat oder was Gleichwertiges. Aber noch geb ich nicht auf und vielleicht ergibt sich ja noch eine anständige Krise, wenn der Weg so weitergeht 😜
SPANISCHE BARS Zwischen Salamanca und Astorga: so wildromantisch und lieblich eingerichtet sind die Bars hier. Aber die Leute sind freundlich. Kein Wunder, ich bin ja meist der einzige Gast drinnen. Überall rennt natürlich der Fernseher in einer Lautstärke, die offensichtlich für das ganze Dorf bestimmt ist und Glücksspielautomaten stehen auch mehrere drinnen.

21. Gehtag: Alija del Infantado bis ‘La Baneza’, ca 25 km. Heute war die Landschaft eigentlich wieder schön, nur das Ende nicht so lustig. Nix wie weg, es reicht. Jetzt hasse ich mittlerweile den Camino aus Sevilla, ich will auf den Hauptweg “Camino Frances” wechseln und auch wenn es nur mehr 20 km sind, fahr ich jetzt mit dem Bus.

Heute kurz vor dem Ziel (‘La Baneza): musste Schuhe ausziehen und durch. Rechts und links von dieser Latschen war ein Zaun. War kalt! Jetzt reicht’s, der Via de la Plata-Weg hat sichs endgültig mit mir verdorben. Schluss, aus – auch wenn es nur mehr wenige Kilometer bis zum Camino Frances wären – ich fahr mit dem Bus!
Um ca 16:30 in “Hospital de Orbigo” angekommen. Das ist nun meine 1. Station am neuen Camino: CAMINO FRANCES. Das ist eigentlich der Hauptweg und die Atmosphäre ist jetzt schon total anders. Das Haus ist total nett, die Pilger international und sogar mehrere Pilgerinnen hab ich hier gesehen. Boa, ich bin so froh, mich entschieden zu haben, den Weg zu wechseln.

22. Gehtag und 1. Tag am Camino Frances: (Hospital de Orbigo nach Valdeiglesias, nur ca. 5 km gewandert) HURRA! Ich bin nun am Hauptweg angekommen, dem Camino Frances, setze mich in ein Café und komm aus dem Staunen nicht mehr heraus. Plötzlich sehe ich hier Leute! Richtige Menschen! Die Einsamkeit hat ein Ende, hier wurlt es nur so von Pilger*innen. Alle Nationalitäten wandern fast im Minutentakt vorbei, allein, zu zweit in Gruppen. Die Stimmung zwischen Camino Frances und Camino de la Plata kann man nicht vergleichen. Hier ist Leben, Lachen, Fröhlichkeit, dort war Dristess, eine schreckliche Landschaft und den lieben langen Tag kein Mensch, nicht einmal in Sichtweite, nicht einmal mit Fernglas. Am Abend sitze ich mit einem Franzosen und einem Belgier mit seiner 16jährigen Tochter bei einem Glas Wein zusammen, es ist total gemütlich. Bis jetzt hab ich immer geglaubt, dass ich es allein ganz gut mit mir aushalte, jetzt weiß ich, das hat seine Grenzen. Und ohne Berge geht einfach gar nicht.

Jakobsweg Camino Frances
Wellness- und Pausentag in Astorga! Ich hab in einem schönen Hotel eingecheckt und lass es mir gut gehen. Hatte das Hallenbad, Whirlpool, Dampfbad und Sauna ganz für mich alleIn. Jetzt bin ich gestärkt und bereit für den Ensdpurt, es sind ja nur mehr ca 250 km.

23. Gehtag: Rast- und Luxustag in ASTORGA nur ca 10 km gegangen. Eigentlich wollte ich heute wieder durchstarten aber dann hats mich doch nicht gefreut und ich hab das Plakat vom Hallenbad gelesen ;), außerdem ist die Stadt sehr nett und man kann in Spezialläden alles punkern, was man vermisst. Ich kauf mir eine kurze Hose, jetzt wird es nämlich wärmer und miete mich in einem schönen Hotelzimmer ein. Am Weg nach Astorga hat eine Australierin mit ihrem Freund eine kleine Hütte zum Aufwärmen und Tee trinken aufgebaut. Ich glaub, ich hab über 1 Stunde dort verbracht und geratscht. Sooo gemütlich. Ja, und übrigends – so ein Zufall: der Franzose von gestern hat am gleichen Tag wie ich Geburtstag. Wir werden ein Gläschen “virtuell” zusammen trinken. Er hatte wenig Zeit und macht zwischen 35 und 40 km am Tag, ist also schon wieder über alle Berge. Ich komm mir jetzt echt langsam vor – das 16jährige Mädchen geht mit ihrem Vater auch solche Strecken. Na, gut, sie trainiert für den Marathon – und ich nicht

24. Gehtag: Astorga nach Foncebadon (1439 m Höhe), ca 25 km, ca 580 Höhenmeter. Die Landschaft war heute richtig schön. Glaubt es oder nicht, aber ich hab heute einen Kinderwagen den Berg hinauf geschoben 😜. Die Dinger verfolgen mich anscheinend. Bald nach Astorga traf ich auf eine junge Mutter aus Deutschland mit 4jährigem Sohn im Kinderwagen. Wir haben ein bissl geratscht und so sind die Stunden vergangen. Plötzlich war der Berg da und weil der Bub gerade so gut geschlafen hat, sind wir gleich ohne Pause hinaufgekoffert. In einem Höllentempo, denn jede Serpentine, die er noch geschlafen hat, war eine gewonnene Serpentine. Er ist schlussendlich erst ganz oben munter geworden

Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances
Morgen komm ich an einem magischen Ort vorbei, dem “Cruz de Ferro”. Dort legen PilgerInnen einen Stein von zu Hause ab und der künstliche zusätzliche Hügel soll schon 3 m hoch sein. Der Stein soll dann am Lebensende die Waagschale zugunsten der guten Taten beeinflussen. Je größer also der Stein, desto besser😜. Ich hab erst gestern davon erfahren und natürlich keinen Stein von zu Hause mit. Hab deshalb einen am Weg eingesammelt, das hilft jetzt nicht 100prozentig aber vermutlich auch ein bissl.

25. Gehtag: Foncebadon (1439 m) nach El Acebo (1142 m): wieder nur ca 11 km gegangen. Jetzt schäm ich schon ein bissl, aber heute war ein genial schöner Tag und ich wollte noch nicht wieder ins Tal hinunter. Noch 1 Tag in der Höhe bleiben, das hat was. Die Landschaft war heute wunderschön. Eigentlich bisher am schönsten von allen Tagen. Und zum Schluss bin ich an einer wunderbaren Pilgerherberge vorbeigekommen, da konnte ich nicht vorbei gehen. Hab mit einem Isländer zu Abend gegessen. Er hat den komplett gleichen Weg hinter sich und die ähnliche Eindrücke gesammelt. War ein super netter Abend.

Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances

26. Gehtag, El Acebo (1142 m) über die etwas größere Stadt Ponferrada nach Cacabelos (477 m): 32 km. Heute war sowohl die Landschaft als auch das Wetter wieder sehr schön. Bis auf einzelne Ausnahmen waren auch die Dörfer total nett und idyllisch. Ich hätte fast in jedem bleiben mögen. Nach ungefähr 10 km traf ich im Tal dann zufällig wieder auf die deutsche Jungmutter und wir sind den restlichen Tag zusammen gegangen. Durch das abwechselnde Tempo – der Bub wollte dazwischen auch immer wieder selbst gehen – sind mir die 32 km gar nicht so aufgefallen.

ANZAHL DER PILGERINNEN: nach ca 1 h Gehzeit hab ich heute hier gefrühstückt. Wir sind ein bissl ins Ratschen gekommen und die “Wirtin” hat mir erzählt, dass nun ständig mehr am Weg sein würden. Zur Zeit würden durchschnittlich 70 – 80 Leute bei ihr vorbeigehen aber im Mai werden das ca 300 täglich sein. Also den April kann ich für diesen Weg nur wärmstens empfehlen. Gestern hatte ich ein Zimmer für mich allein umd heute sind wir auch nur zu zweit. Natürlich sind aber auch Nächte dabei, in denen 9 – 10 Leute im Zimmer sind

27. Gehtag-Teil1: Cacabelos nach Villafranca: ca 7 km. Mit der deutschen Mama gewandert. Nach ca 1,5 km gab es eine entzückende Herberge in Pieros, wo wir ausgiebig in der Sonne gefrühstückt haben. Villafranca trug früher auch den Namen “Klein-Compostela”, weil Kranke und Schwache nicht über den darauf folgenden Cebreiropass kamen und hier ihre Wanderung beenden mussten. Deshalb haben sie schon hier ihren ‘Ablass’ erhalten.

Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances

27. Gehtag-Teil2, Villafranca nach Trabadelo, ca 11 km . Ich bin den harten, den ‘camino duro’ , 460 Höhenmeter über eine Bergstraße gegangen. Aber ehrlich gesagt, ich hätts mir sparen können weil es auch oben nicht recht schön war. Es fehlte die Beschilderung und die Forststraße war nicht recht aufregend. Aber anscheinend war auch der Talweg fad – halt energieschonender.

Jakobsweg Camino Frances

28 Gehtag-Teil 1: wieder Kinderwagenstrecke. Richtung O’Cebreiro-Pass.

Jakobsweg Camino Frances

28. Gehtag-Teil 2: von “La Faba” (902 m) bis zur Passhöhe “O Cebreiro” (1300 m Höhe) allein und am schöneren Gehweg weitergegangen. Die Landschaft war herrlich (so wie bei uns ;-). Heute kam ich zum 1. Mal in den Genuss eines Massenlagers. Unglaublich, was sich all diese Menschen bei klarem Verstand antun. Ich glaub, das wäre Platz für 80 Leute gewesen, aber zum Glück nur zur Hälfte belegt. Komischerweise wars sogar erträglich – war halt um 5 wach. Und was noch komischer ist: es haben alle überlebt ; ).. Jetzt sieht man auch ab und zu Kinder am Weg. Eine englische Familie geht 3 x eine Woche. Ihre Kinder sind 14 und 12, aber die Mutter hat gemeint, voriges Jahr, als die Ältere jünger war, wars leichter. Und dann ist noch eine französische Familie mit 3 Kindern (15, 13, 10) seit 6 Jahren am Weg. Sie sind in Bordeau gestartet und heuer machen sie fertig. Die Kinder rennen wie verrückt und ständig voraus

Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances
Museumsdorf O Cebreiro (1300 m)

29. Gehtag: Ich hab mir Schnee gewünscht – und – la voila! Heute hats am Berg oben geschneit. Bin schon wieder im Tal herunten (Triacastela) und vielleicht geh ich noch weiter.

Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances

30. Gehtag. Samos über Sarria nach Ferreios. Ab hier ist die Landschaft wieder wunderschön. Sarria ist sozusagen die letzte kleine Stadt, von der aus man starten kann und trotzdem noch einen Segen oder eine Urkunde oder beides kriegen kann.

Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances
Seit Galicien sind die km angeschrieben. Das motiviert ziemlich – nur mehr 100 km yipeee
Müsste jetzt 660 km hinter mir haben (muss es aber noch genau nachrechnen)

31. Gehtag, Ferreiros nach Palas de Rei, ca 30 km. Die Landschaft ist sehr schön aber es ist auch schon längst vorbei mit den idyllisch grasenden schwarzen Schweinderln. Hier gibt es ziemlich stinkende Massenställe. Seit Sarria sind noch mehr Menschen am Weg. Es gehen etliche Schulklassen. Manche Leute sind ein bisschen genervt ob der Massen aber ich find es total nett. Irgendwie fühlt man sich wie auf einer katholischen Haddsch. Ah ja, umd gatschig ist es auch phasenweise …

Jakobsweg Camino Frances
Gestern hab ich eine bzw 2 nette Karten von einer netten Engländerin erhalten. Die Idee von ihr ist total nett. Sie hat sich für jeden Tag ihrer Wanderung eine Karte mit einem Motto mitgenommen. Wenn sie das Gefühl hat, eine Person hätte eine Karte “verdient” lässt sie eine aus dem verdeckten Stapel ziehen. Ich habe die Karte mit ”Proud’ gezogen. Das ist dann ihr Motto für den nächsten Tag. Die Karte durfte ich mir behalten. Und: für jeden Tag ihrer Wanderung hat sie eine Postkarte an sich selbst adressiert und frankiert. Ich soll/darf ihr dann Gedanken von mir draufschreiben und an sie senden. Die kleinen Freuden – und ja – natürlich bin ich jetzt stolz;)
So schauen die Füße von vielen Pilgerinnen umd Pilgern aus. Wahnsinn welchen Qualen sich da manche aussetzen. Meine sind praktisch makellos😜. Meine Blasen auf den Fußsohlen haben sich sofort vertschüsst, sobald ich eine weiche Schuheinlage gekauft hab. Ich muss aber auch sagen, dass ich sehr sorglich mit ihnen umgehe. Hirschtalg tubenweise und ich red jeden Tag ganz nett mit ihnen und lob sie ohne Ende.
Wetter: pünktlich ab der Grenze zu Galicien ist das Wetter extrem wechselhaft. Ich zieh praktisch halbstündlich meine Regenbekleidumg an und aus. P.S.: so,wie auf den Fotos gehts nicht den ganzen Weg zu – hier hab ich die Schulklassen fotografiert. Heute auch ein bissl mit ein paar geratscht. Das war sozusagen eine spanische Borromäumklasse, total nette Buben. Aber hintennach sind dann die Lausbuben gekommen, haben versucht mit Autostop weiterzukommen aber niemand hat die Armen mitgenommen

32. Gehtag, von Palas de Rei nach Arzua, ca 29 km. Die Distanz fällt mir immer leichter – nur mehr 40 km vor mir!

Jakobsweg Camino Frances
Am Camino Frances sind die Unterkünfte wesentlich netter als am Camino de la Plata.

33. Gehtag. Ca 20 km

Jakobsweg Camino Frances
Jakobsweg Camino Frances
Wie auch bei uns in d’Berg, gibt es entlang des Weges immer wieder Marterl für die, die es nicht mehr geschafft haben ….

34. und letzter Gehtag, Pedrouzo nach Santiago de Compostela, ca 20 km. Es schüttet den ganzen Tag. Leider ist die letzte Etappe nicht recht schön – fühlt sich so an, als würde man die Alpenstraße entlanggehen. Die Altstadt und damit die Kathedrale ist gefühlt am ‘Ende’ der Stadt.

Lustige Wegschilder
Meine treuen Schuhe, sie haben doch durchgehalten! Hab sie dafür mit nach Hause geflogen und ihnen einen Ehrenplatz gegeben.

SANTIAGO

Geschafft und 7 kg leichter als beim Start 😊

Game over. Guat is gonga, nix is g’schegn. Dankbar für alles!

Fistere Camino Frances
Und jetzt ab nach Hause:)